Starke Sprüche und interessante Berichte

Mehr Auslauf für Vierbeiner

Bericht aus der RZ / 09.02.2010
Bericht aus der RZ / 09.02.2010

"Der will doch nur spielen"

Spielen ist - da sind sich alle Zoologen einig - ein ritualsiertes Lebenstraining ohne ernsthafte Konsequenzen. Beim Spielen wird für das spätere Leben gelernt, es wird bspw. die Jagd simuliert oder es werden soziale Abläufe trainiert, sodass das soziale Lebewesen Hund die Grundlagen beherrscht, um innerhalb eines sozialen Verbandes existieren zu können.

Da man beim Spiel wissen muss, wie weit man gehen darf, ist es wichtig, seinen Spielpartner einschätzen zu können. Darum wird von Natur aus in erster Linie mit Lebewesen gespielt, die man gut kennt, h.h. mit Familienmitgliedern und Freunden. Läuft ein Hund jedoch auf einen fremden Menschen oder einen ihm unbekannten Hund zu, dann möchte er sicherlich nicht sofort spielen, sondern erst einmal die Situation abklären.

Jedem Hund sind seine Familie und sein Territorium sehr wichtig, weils die Gruppe und das Territorium, welches er kennt, wichtig für sein Überleben sind. Er hat daher zu den eigenen Familienmitgliedern, ob nun Mensch, Hund oder auch Papagei, ein ganz anderes Verhältnis als zu ihm unbekannten Menschen, Hunden, Papageien. Naütrlich unterscheidet er dabei ganz eindeutig zwischen Mensch, Hund und anderen Arten. Aber totzdem ist jedes fremde Lebewesen, das sich ihm nähcert, ert einmal eine potenzielle Bedrohung. Nähert man sich einem solchen fremden Menschen oder Hund, muss zuerst einmal einiges abgeklärt werden.

Ist der Fremde stark und selbstbewusst und was sind seine Absichten? Entpuppt er sich als Freund oder Feind? Muss ich ihn verscheuchen, weil er ein ersthafter Kokurrent um Resoourcen in meinem bzw. unserem Familienrevier ist? All diese Fragen beschäftigen den Hund - natrlich nicht in der sprachlich abstrakten Form wie hier aufgeführt, vielmehr handelt es sich umeher unbewusst ablaufende, gefühlte Vorgänge.

Und wenn man auf Fremde zugeht oder zuläuft, müssen diese offenen Fragen abgeklärt wrden. Das ist genau die überwiegende Absicht, die ien Hnd verfolgt, wenn er sich einem fremden Hund und/doer Menschen nähert. Menschen werden da meist recht tolerant behandelt, weil die meisten aus der Sicht des Hundes sowieso viele kommunikative Fehler machen. Hunde müssen sich da schon besser ausdrücken und ihre Absichten klar zum Ausdruck bringen. Un ein fremder Papagei? Nun, der "Familienpapagei" wird vom Hund irgendwie als Familienpapagei akzeptiert. Aber ein fremder Papagei ist doch stark gefährdet, als Beutetier angesehen zu werden. Und hänlich verhält es sich mit der eigenen Katze im Haushalt und der Katze des Nachbarn...

Also, Hunde möchten nicht mit jedem fremden Individuum einfach nur spielen. Sie möchten zunächst die jeweilige Situation beurteilen und abklären. Dass soll natürlich nicht heißen, dass nach erfolgter Abklärung icht auch gespielt werden kann. Allerdings liegt hier die Betonung klar auf "kann".

In der Praxis bedeutet das für den rücksichtvollen Hundehalter, dass er bei Begegnungen seinen Hunde und die Situation genau beobachtet und seinen Vierbeiner notfalls anleint, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.


Der Autor
Thomas Riepe ist Hundepsychologe und Autor von Fachbüchern zum Thema Caniden. Im Rahmen seiner hundepsychologischen Tätigkeit bildet er auch nach einer von ihm entwickelten Methode Hundepsychologen aus. Diese Methode beruht in erster Linie auf Kommunikation und Verständnis zwischen Mensch und Hund.
Bereits erschienene Bücher:
 
- Füchse - unsere heimlichen Nachbarn
- Wolf und Hund - Informationen rund um Wolf, Hund und andere Hundeartige
- Yellowstone, im Land der Wölfe und Kojoten - Ein Reisetagebuch
 Info: Thomas Riepe erreichen Sie unter Tel.: +491729491766 oder über www.riepehunde.de
 
 Quelle: Hundemagazin WUFF - 12/08-01/09